Spielzeit:
4897 Minuten
So, gerade fertig geworden
Ich werde kein Wort zur Grafik verlieren, da diese in solchen Spielen immer zweitrangig ist. Wer ein solches Spiel kauft und einen regelrechten Augenschmaus als oberstes Kriterium betrachtet, hat etwas nicht ganz verstanden. Wichtig ist bei einem Spiel, wie Disciples: Liberation immer Story und Roleplay.
Das Roleplay ist sicherlich vorhanden, da die Enden je nach getroffenen Entscheidungen unterschiedlich ausfallen. Seltener bekommt man allerdings eine unmittelbare Wirkung, nach einem gefassten Entschluss zu spüren. Klar, mal stirbt jemand nach einer bestimmten Aktion, fühlt sich betrogen oder eine Fraktion fühlt sich gelegentlich etwas vor den Kopf gestoßen. In der Zusammenfassung am Ende - hat mich ein kleines bisschen an Fallout erinnert - wird es aber doch etwas konkreter. Die Erzählung würde also vermutlich etwas anders sein, wenn ich noch einen Durchlauf starte und mich hier und da völlig anders entscheide. Aber gerade hier, bei der Wiederholung der ganzen Story haben wir ein handfestes Problem.
Die Kämpfe waren schmerzhaft eintönig und zogen sich manchmal unnötig in die Länge. Irgendwann habe ich mich dabei erwischt, möglichst viele Gegner auszumanövrieren, da ich einfach keine Lust mehr hatte, einen Kampf zu starten. Dennoch hat man oft gar keine andere Wahl. Ab ungefähr Level 55 war ich erstmalig schrecklich underleveled und hatte tatsächlich Schwierigkeiten, alles nachzuholen. Dazu muss ich natürlich sagen, dass ich ansonsten einen Großteil der Quests zuvor mitgenommen habe. Daher trat das Problem wohl auch verhältnismäßig spät auf. Plötzlich bin ich zum Teil in Gegner gerannt, die mindestens 10 Stufen über mir waren und gelegentlich war absurderweise ein 80er zu finden. Keine Ahnung, wie ich zu diesem Zeitpunkt auch nur ansatzweise an die 80 hätte herankommen können. Ich musste also nachträglich möglichst jeden noch so langweiligen Kampf mitnehmen und den kläglichen Rest der ausstehenden Quests spielen. Es hat dann auch noch irgendwie funktioniert. Ganz ehrlich, ab dieser Phase war ich geistig nur noch mit Autopilot unterwegs und habe kaum noch etwas mit Interesse getan, wenig bewusst wahrgenommen oder Spaß gehabt. Durch die allgemeine Spielmechanik wurde ich plötzlich dermaßen ins Delirium versetzt, dass mich die Story nur noch geringfügig interessierte. Es ist für mich fast schon ein Todesurteil, da ich ja gerne in einem weiteren Durchlauf etwas anderes versuchen würde. (DAS ist ja mitunter Sinn und Zweck eines solchen Spiels) Trotzdem fühle ich mich zu kraftlos und unmotiviert, mich noch einmal durch das oben genannte Problem zu quälen.
Man kann aber sagen, dass dieses Spiel zumindest den Anspruch, ein Rollenspiel zu sein, besser erfüllt als so einige andere sogenannte RPGs. Das ist mittlerweile alles andere als selbstverständlich, da so einige Studios wohl mittlerweile glauben, es reiche in dieser Angelegenheit vollkommen aus, das Erscheinungsbild seines Charakters anpassen zu können. Hogwarts Legacy ist so ein klassischer Fall. Klar, völlig anderes Gameplay, aber das auch nur so am Rande. Leider kann das für mich das in meinen Augen misslungene nicht ausreichend kompensieren.
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