Spielzeit:
4308 Minuten
Ich habe lange überlegt, ob ich eine Review zu diesem Spiel schreiben soll und bin, glaube ich bei einem Spiel noch nie so uneins gewesen, ob diese positiv oder negativ ausfällt. Ich fange erst einmal mit den positiven Aspekten an.
Die Grafik des Spiels ist wirklich gut gelungen und es macht Spaß bei diesem Anblick die Inseln zu erkunden. Leider werden diese schnell monoton und repetitiv, wozu ich aber später komme.
Das Bausystem ist ein wirklicher Pluspunkt in diesem Spiel. Es ist sehr modular und lässt unterschiedlichsten Baustilen viele Möglichkeiten. Auch wenn die Materialienbeschaffung teilweise sehr grindy ist, wird man durch spätere Nutzung der Materialien für den Basisbau umfangreich belohnt, da die Basiselemente schon jetzt im early access ästhetisch sehr ansprechend sind. Etwas schade ist, dass man gerade zum Anfang in seinen Baumöglichkeiten sehr begrenzt ist und vieles im Verlauf des Spiels erst freischalten muss. Das ist finde ich jedoch gut zu verschmerzen.
Weiterhin gefällt mir die Möglichkeit Fertigungsstationen mit Upgrades zu erweitern, um weitere komplexere Gegenstände fertigen zu können.
Was mich sehr positiv überrascht hat sind die Lieder, welche man die Mannschaft auf der Reise über den Ozean runterschmettern lassen kann. Die jetzt schon verfügbare Auswahl ist sehr ordentlich und auch qualitativ überzeugend. Es macht Spaß nebenbei zuzuhören.
Damit wären wir aber auch schon fertig mit den positiven Aspekten. Jetzt komme ich zu den meiner Meinung nach, bis jetzt sehr übel aufstoßenden, negativen Aspekten.
Bei dem Spiel handelt es sich um einen Open-World-Survival Titel im Piratenstil. Der Kernaspekt sollte also unter anderem auf Kampf zu Land und Wasser liegen. Tja sollte…
Kämpfen fühlt sich in diesem Spiel an, als gebe einem jemand eine Gabel und verlange damit eine Suppe auszulöffeln. Ja es geht, jedoch wird es sehr schnell frustrierend und macht keinen Spaß mehr. Die Fauna hat es in diesem Spiel echt in sich. Jede Insel hat gefühlt mehr Tiere auf einem Quadratmeter als ein professioneller Zuchtbetrieb. Selbst kleine Dodos wollen einen sterben sehen und greifen den Spieler unentwegt an. Tja halb so schlimm, wenn man sich mit einer Waffe zur Wehr setzen kann und eine gute Rüstung anhat, welche einen schützt, richtig? Nö, falsch gedacht. Der Charakter kippt bei Angriffen schneller aus den Latschen, als Usain Bolt für einen 10 Meter Sprint braucht. Selbst mit passabler und aufgewerteter Rüstung killen einen die allermeisten Gegner mit zwei Treffern. Etwas, was ich in keinem ähnlichen Survival-Spiel bis jetzt so erlebt habe. Es gab Momente, in denen mein Charakter ungelogen alle zehn Sekunden das zeitliche gesegnet hat, weil Rüstungen praktisch keinen Effekt haben und die Waffen so viel Schaden verteilen wie ein Schwamm, der gegen eine Betonwand geworfen wird. Andersherum schlagen die Gegner Kellen, die einen in kürzester Zeit zum nächsten Respawn-Punkt befördern. Eigene Angriffe können Gegner in ihren Angriffen auch nur selten unterbrechen. Gerade Elite-Gegner spulen stumpf ihre Kombo ab, ohne dass man wirklich etwas dagegen unternehmen kann. Auch das System des Blockens lässt zu wünschen übrig. Dem Spieler werden „Schilde“ angezeigt, welche sich nach jedem gegnerischen Angriff verbrauchen. Die Regeneration dieser Schilde nimmt jedoch mehr Zeit in Anspruch als ich für meine Steuererklärung brauche. Ähnlich verhält es sich mit der Ausdauer Regeneration, wobei man hier fairerweise sagen muss, dass es mit dem Ausgeruht-Buff aus der Basis deutlich schneller geht. Weiterhin regeneriert die Gesundheit schlichtweg gar nicht, sodass man sich mit Heiltränken und Bandagen vollstopfen muss. Vorausgesetzt man kommt so weit, bevor man nicht schon wieder gestorben ist.
So genug zum Kampfsystem an Land. Weiter geht’s zum nautischen Kampfsystem. Hier sieht es leider nicht viel besser aus…
Es gibt nur eine gegnerische Fraktion, nämlich die von Blackbeard. Dessen Schiffe sind grundsätzlich mindestens in einem dreier Konvoi unterwegs, sodass diese das eigene Schiff schneller auf Grund schicken, als man Tortuga sagen kann. Das System mit dem Zielen der Kanonen ist ähnlich zu dem in AC 4, jedoch deutlich schlechter umgesetzt. Die Hitboxen sind teilweise sehr schlecht nachvollziehbar und die Flugkurven der Kanonenkugeln lassen sich ebenfalls sehr schlecht antizipieren. Macht aber auch nichts, denn für den Fall, dass man tatsächlich einen Treffer beim Gegner erzielt, fühlt es sich eher so an, als habe man mit Gummienten geschossen als mit Kanonenkugeln. Auch die schiere Anzahl an gegnerischen Schiffen in den Gewässern lässt mich immer wieder staunen. Teilweise ist in den Gewässern im Spiel mehr Andrang als im Berufsverkehr auf der A1. Entschließt man sich zum Kampf mit einem solchen Konvoi kommt es nicht selten vor, dass sich zwei oder drei andere Verbände dazu entschließen sich dem Kampf anzuschließen und so hat man es nicht mehr mit drei Schiffen, sondern eben mit neun oder zwölf zu tun. Das passiert leider nicht selten, sodass auch die Seekämpfe häufig sehr frustrierend werden können.
Dann wäre da noch mein absoluter Favorit. Das Entern. Hier paart sich das oben beschriebene Kampfsystem mit engem Raum, sodass ausweichen häufig nicht möglich ist, oder die Gegner einen mit ihrem Körper blockieren, sodass man nicht mehr vom Fleck kommt. Letzteres wird auch gerne von den Gegnern in hinterster Reihe genutzt einem auch noch einen Schlag mitzugeben. Zusätzlich wird einem auch noch ein Bonus gewährt, wenn *räusper“ sobald man während des Enterns stirbt. Man spawnt an seinem letzten Wiederbelebungspunkt, darf erstmal sein Schiff herbeirufen und an der Örtlichkeit, an der man gestorben ist, feststellen, dass nur noch die Gegenstände auf einen warten, die man durch den Tod verloren hat. Alles andere hat sich inzwischen in Luft aufgelöst.
So viel zum Kampfsystem. Der nächste negative Punkt bezieht sich auf die temporären Food-Buffs. Das System ist ähnlich wie in Enshrouded. Nahrung gewährt einem je nach Komplexität des konsumierten Gerichtes einen Buff. Schade nur, dass der Buff nicht über den Tod hinaus besteht, sondern mit ins Grab folgt. Ich weiß nicht, welches Genie sich dieses System ausgedacht hat, jedoch kann auch das einen mit der Zeit zur Weißglut treiben. Es verleitet einen dazu nur noch einfache Nahrungsmittel wie Bananen und Kokosnüsse zu verspeisen, da alle Effekte durch komplexere Nahrung ja eh nach dem kurz bevorstehenden Tod über die Wupper gehen. Sollte man es trotzdem versuchen die Effekte von komplexer Nahrung aufrecht zu erhalten, sollte es selbst einem Gordon Ramsay schwer fallen bei den häufigen Toden für ausreichend Nachschub zu sorgen.
Weiter geht’s mit der Story. Ja es ist ein early access Titel und es wird mit Sicherheit noch etwas kommen, aber ich habe schon spannendere Daumenkinos gesehen, als die Story für einen parat hat. Hier ist auch noch Luft nach oben.
Fazit:
Das Spiel hat auf jeden Fall seine schönen Seiten, die einen motivieren weiterzumachen, werden jedoch meiner Meinung nach von den negativen Seiten weitgehend überschattet. Gerade die häufigen Tode, bedingt durch wenig Lebenspunkte und ein unausgereiftes Kampfsystem frustrieren gerade im weiteren Verlauf des Spiels mehr und mehr und selbst bessere Ausrüstung, für welche man teilweise stundenlang Materialien sammelt, zeigen bei Gegnern häufig kaum den erwünschten Effekt. Wer auf ein Survival-Game mit Darksouls-Charakter hofft und nicht viel wert auf eine Handlung legt, kommt aber auf seine Kosten.
Daher kann ich zum aktuellen Zeitpunkt keine Empfehlung für das Spiel aussprechen, gerade weil die negativen Aspekte Kernbereiche des Spiels betreffen, die meiner Meinung nach dringend überarbeitet werden müssen. Das Spiel hat sehr viel Potenzial und ich bin auch gerne dazu bereit dies in eine positive Rezension abzuändern, aber hierzu bedarf es noch einiger Anpassungen, da es aktuell noch sehr frustrierend ist und einem den Spaß an einem eigentlich schönen Spiel nimmt.
👍 : 9 |
😃 : 2