Spielzeit:
1748 Minuten
[i]Wasteland Remastered[/i] ist, wie der Titel verrät, eine überarbeitete Fassung des CRPGs [i]Wasteland[/i] aus dem Jahr 1988. Jenes habe ich in den Neunzigern zwar kurz anspielen können, war jedoch viel zu jung und zu ungeduldig, um die englischen Texte und das Regelwerk zu durchschauen. Allerdings blieb durch den Anblick der frei begehbaren Karte und die vermeintlich endlosen Abenteuer in einer postapokalyptischen Welt ein großer Zauber zurück, der sich erst mit dieser Neuauflage lüften ließ. Ob eine solche Revision verklärter Kindheitserinnerungen anzustreben ist, muss freilich jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls habe dieses Kapitel nun nach über fünfundzwanzig Jahren abgeschlossen - und werde das Spiel nie wieder installieren.
Die Entwickler brachten abgesehen von der aufgehübschten Grafik und dem neuen Soundtrack keinerlei [i]quality-of-life[/i]-Modernisierungen ein, auch der Plot ist mit der Urfassung buchstabengetreu identisch. Dementsprechend bestätigt sich [i]Wasteland Remastered[/i] nach wie vor als ein Programm aus den Achtzigern mit all seinen frustrierenden Ärgernissen. Während wir im Ödland umherirren und Ratten, Rocker oder Roboter besiegen, stellen wir uns ständig die Frage, was als nächstes zu tun ist - Hinweise sind extrem rar gesät. Dies mag in einem echten Open-World-Abenteuer vielfältige Möglichkeiten eröffnen, nicht jedoch in einer letztlich streng linearen Story wie dieser. Der erste Eindruck, hier warte ein Erlebnis spielerischer Freiheiten, ist zu einem gewissen Grade wahr, können wir doch in alle Richtungen aufbrechen, verschiedene Städte aufsuchen, in den dortigen Waffen- und Gemischtwarenläden Einkäufe oder Verkäufe erledigen und teils zufällig, teils festgelegt auftauchende Feinde bekämpfen. Nichtsdestotrotz folgt [i]Wasteland Remastered[/i] einem einzigen Handlungsbogen ohne Nebenquests.
Dabei ergeben sich ganze Plot-Points zuweilen nur auf gut Glück, weil man zufällig die richtige Kachel auf der Map betritt oder zu einem gänzlich unintuitiven Zeitpunkt den korrekten Gegenstand verwendet. Auch besteht die Gefahr, in eine Sackgasse zu geraten und seine Speicherstände zu ruinieren: Dringt man mit den falschen Waffenarten in einen Dungeon ein, findet man sich bald hoffnungslos verloren inmitten unverwundbarer Gegner; hat man wichtige Plotgegenstände irrtümlich abgelegt, sind sie für immer weg, was den Spielabschluss unmöglich macht. Besonders die ermüdend unfairen Kampfsituationen gegen Ende lassen das Alter des Spiels eindringlich erkennen, wenn uns im Sekundentakt titanische Feinde mit hunderten von Hitpoints entgegentreten. Ebenso ernüchternd gestaltet sich die sperrige Kommunikation mit den NPCs, die oft nur durch eigens eingetippte, aber zuvor nur schwer ermittelbare Schlagworte und Passwörter funktioniert. Darüber hinaus ist das Verwenden von Fähigkeiten, Eigenschaften oder Gegenständen nur über das umständliche Durchblättern von Charakterbildschirmen möglich, und das Management der viel zu kleinen Inventare sowie der Austausch von Objekten zwischen den Gruppenmitgliedern ist eine einzige Qual.
Somit kann ich [i]Wasteland Remastered[/i] eigentlich nicht empfehlen, zumindest nicht vorbehaltlos. Allein jener Kult- und Nostalgiefaktor rettet es vor einer wohl angemessenen negativen Bewertung. Immerhin für jene, die keine Berührungsängste mit jahrzehntelang dahingestaubten Spieleschwarten haben, bieten die Abenteuer im Ödland, die Levelaufstiege unserer Truppe, der Besuch der einladenden Shops in den Städtchen und die Begegnungen mit gesprächsbereiten NPCs in den sicheren Kommunen ein verheißungsvolles Erlebnis, auch wenn es heute freilich zeitgemäßere Alternativen gibt. Trotzdem: So fröhlich man auch aufbricht in [i]Wasteland Remastered[/i], wieviel man auch sieht und erlebt, dem einhergehenden haareraufenden Frust wird man nicht entkommen.
👍 : 6 |
😃 : 1